Ich habe mir das Interview mit Bryan Johnson komplett angesehen und es hat mich länger beschäftigt, als ich gedacht hätte.

Ich tue mir schwer, all das sofort zu glauben oder einzuordnen. Medizinisch schon gar nicht. Aber als Mensch finde ich ihn hochspannend. Weil er einen Gedanken nicht nur denkt, sondern lebt. Radikal, konsequent, ohne Rückzugsoption.

Bryan Johnson hat Millionen investiert, um seinen eigenen Körper besser zu verstehen. Ich glaube nicht, dass er das aus Eitelkeit macht. Eher aus echter Neugier, vielleicht aus einer Besessenheit für die Sache. Er beschreibt sich selbst als den am meisten gemessenen Menschen der Geschichte.

Er denkt nicht in Lebensjahren, sondern in Funktionen. Sein Herz ist jünger als er, sein Gehör älter. Manche Dinge konnte er verbessern, andere nicht. Gerade das macht ihn für mich greifbar. Er spricht offen darüber, dass verlorenes Gehör bislang nicht rückholbar ist. Keine Erlösungsfantasie, kein Heilversprechen.

Sehr hängen geblieben ist bei mir sein Bild der Generationen und ihrer Gifte. Sein Großvater war voller Blei. Seine Eltern voller Asbest. Seine Generation trägt Mikroplastik in sich. Jede Zeit hinterlässt ihre Spuren im Körper. Nicht als Theorie, sondern als Biologie.

Longgevity bedeutet für mich persönlich nicht, möglichst lange zu existieren. Es bedeutet, möglichst lange gesund zu bleiben. Wach. Belastbar. Klar im Kopf. In diesem Punkt berührt er etwas Reales.

Sehr hängen geblieben ist auch sein Blick auf Schlaf. Er spricht darüber mit einer Ernsthaftigkeit, die man sonst nur aus der Leistungssportmedizin kennt. Schlaf als Grundlage und nicht als Lücke im Kalender. Mir wird klar, wie fahrlässig wir damit umgehen.

Auch sein Umgang mit Umweltfaktoren wirkt auf mich nicht panisch, sondern folgerichtig. Wenn man akzeptiert, dass jede Generation ihre unsichtbaren Belastungen trägt, dann wird Messen, Reduzieren und Verstehen plötzlich logisch und nicht hysterisch.

Was an ihm polarisiert: Er verlässt sich nicht auf Gefühl. Er verlässt sich auf Systeme. Er sagt offen, dass sein Kopf ihn täuscht und dass er lieber messen lässt, statt zu glauben. Das wirkt kühl – vielleicht ist es einfach ehrlich.

Ob seine These stimmt, dass wir möglicherweise die erste Generation sein könnten, die nicht mehr zwingend stirbt, weiß niemand. Er selbst sagt ja, dass niemand sinnvoll weiter als ein Jahr vorausdenken kann. Aber allein diese Fragestellung verschiebt den Blick.

Ich würde so nicht leben. Aber ich nehme ihm ab, dass er es ernst meint. Und genau deshalb lohnt es sich, ihm zuzuhören.

Ich empfehle das Video ausdrücklich.

Es ist keine Gebrauchsanleitung von IKEA, eher eine Art Fokuslenker:

PS: Ich habe übrigens im Februar letzten Jahres – also vor fast einem Jahr – meine letzte Kippe geraucht. Ausgelöst durch die Bryan-Johnson-Netflix-Doku, nachts um 03:00, klassischer ADHS-Hyperfokus.

Zugegeben: Zigarren paffe ich ab und zu noch.

— Hunting Timmyi